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UX-Prozess – iterativ statt linear

UX Design ist kein linearer Prozess sondern ein iterativer Zyklus: Verstehen, Definieren, Entwickeln, Testen — und dann von vorne. In der Praxis laufen diese Phasen oft parallel und überlappen sich. Aber ein strukturierter Prozess verhindert, dass Designentscheidungen auf Annahmen statt auf Daten basieren. Die bekanntesten UX-Prozess-Frameworks sind Design Thinking und der Double Diamond des British Design Council.

Der Double Diamond

Der Double Diamond beschreibt den UX-Prozess in zwei Phasen mit je zwei Bewegungen — Divergieren (Möglichkeiten erkunden) und Konvergieren (fokussieren und entscheiden). Erster Diamant: Das richtige Problem finden. Zweiter Diamant: Die richtige Lösung entwickeln. Dazwischen liegt der entscheidende Moment: die Problemdefinition. Viele Projekte scheitern weil sie am falschen Problem arbeiten.

Phase 1 — Discover (Erkunden)

Phase 1 — Discover (Erkunden)

Breite Recherche: Nutzerinterviews, Beobachtungen, Analytics-Analyse, Wettbewerbsanalyse, Stakeholder-Interviews. Keine Annahmen machen — alles hinterfragen. Ergebnis: Tiefes Verständnis des Problems und der Nutzer.

Phase 2 — Define (Definieren)

Phase 2 — Define (Definieren)

Erkenntnisse synthetisieren: Was haben wir gelernt? Welches ist das eigentliche Problem? Personas, User Journey Maps, How-Might-We-Fragen. Ergebnis: Klare Problemdefinition die als Grundlage für alle weiteren Entscheidungen dient.

Phase 3 — Develop (Entwickeln)

Phase 3 — Develop (Entwickeln)

Lösungen generieren: Ideation, Sketches, Wireframes, Prototypen. Viele Ideen, keine vorschnellen Urteile. Iteratives Prototyping mit schnellen Feedback-Schleifen. Ergebnis: Getestete und verfeinerte Lösungskonzepte.

Phase 4 — Deliver (Umsetzen)

Phase 4 — Deliver (Umsetzen)

Die beste Lösung ausarbeiten: High-Fidelity-Designs, Design-Spezifikationen, Entwicklungs-Handoff, Launch. Ergebnis: Fertiges Produkt das live geht — aber nicht 'fertig' im Sinne von abgeschlossen.

Design Thinking

Design Thinking ist ein verwandter Ansatz mit fünf Phasen: Empathize, Define, Ideate, Prototype, Test. Der entscheidende Unterschied zu traditionellen Produktentwicklungsprozessen: Design Thinking beginnt mit dem Nutzer — nicht mit der Technologie oder den Business-Anforderungen. Design Thinking ist besonders wertvoll am Anfang eines Projekts um sicherzustellen, dass das richtige Problem gelöst wird.

UX-Prozess in der Praxis

Discovery Phase (1-2 Wochen)

Discovery Phase

Stakeholder-Briefing, Zieldefinition, Nutzerinterviews (5-8 Interviews reichen oft), Analytics-Auswertung, Wettbewerbsanalyse. Output: Research-Report mit Key Insights.

Definition Phase (1 Woche)

Definition Phase

Erkenntnisse synthetisieren: Personas erstellen, User Journey Map zeichnen, Problemdefinition formulieren, Projekt-Scope festlegen. Output: Design Brief der alle weiteren Entscheidungen leitet.

Konzeption Phase (2-4 Wochen)

Konzeption Phase

Informationsarchitektur, Sitemap, User Flows, Wireframes. Schnelle Sketches bevor Figma geöffnet wird. Interne Reviews und erste Nutzer-Feedback-Runden. Output: Wireframes und User Flows.

Prototyping Phase (1-2 Wochen)

Prototyping Phase

Klickbaren Prototyp in Figma oder ähnlichem Tool bauen. Realistisch genug um echtes Feedback zu bekommen, schnell genug um günstig zu ändern. Output: Interaktiver Prototyp.

Testing Phase (1 Woche)

Testing Phase

Usability Tests mit 5-8 Nutzern. Moderiert oder unmoderiert. Probleme identifizieren, priorisieren, Designs anpassen. Output: Test-Report und überarbeitete Designs.

Handoff und Launch (laufend)

Handoff und Launch

Design-Spezifikationen für Entwicklung, Design-System-Dokumentation, Begleitung der Entwicklung, QA-Review. Nach Launch: Analytics prüfen, weiteres User-Feedback sammeln, iterieren.

Agiles UX — UX im Scrum-Prozess

In agilen Entwicklungsteams muss UX-Design in Sprints passen. Das Modell: UX läuft einen Sprint voraus (‘Sprint 0’ oder ‘Dual Track Agile’) — während Entwickler Sprint N umsetzen, arbeitet UX an Sprint N+1. Das vermeidet den häufigen Konflikt: UX wird nicht zum Bottleneck der Entwicklung, und Design wird nicht unter Zeitdruck übersprungen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert ein UX-Projekt?

Stark projektabhängig. Eine neue App: 3-6 Monate Discovery bis Launch. Ein Website-Redesign: 6-12 Wochen. Eine einzelne neue Feature-Seite: 2-4 Wochen. Kritisch ist nicht die absolute Dauer, sondern ob alle Phasen durchlaufen werden.

Kann man UX-Prozesse überspringen um Zeit zu sparen?

Technisch ja — aber es ist teuer. Research überspringen führt zu Designs die am Nutzer vorbeigehen. Testing überspringen führt zu Problemen die erst nach dem Launch entdeckt werden. Jede übersprungene Phase erhöht das Risiko und den späteren Korrektur-Aufwand.

Was ist der Unterschied zwischen UX-Prozess und Design Thinking?

Design Thinking ist eine Mindset und Methode — ein Denkansatz. Der UX-Prozess ist die praktische Umsetzung im Produktentwicklungskontext. Design Thinking beeinflusst wie UX-Prozesse gestaltet werden, ist aber kein vollständiges Prozessframework für die tägliche Designarbeit.

Brauche ich alle Phasen für kleine Projekte?

Nicht alle in voller Tiefe. Aber die Grundprinzipien gelten immer: Problem verstehen, bevor Lösungen entwickelt werden. Ideen testen, bevor sie vollständig ausgearbeitet werden. Auch ein 30-minütiges Nutzergespräch ist besser als keine Research.